{"id":2045,"date":"2022-11-29T10:25:11","date_gmt":"2022-11-29T10:25:11","guid":{"rendered":"https:\/\/huerther-bruecke.de\/?p=2045"},"modified":"2023-04-18T12:35:27","modified_gmt":"2023-04-18T12:35:27","slug":"schweigemarsch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/huerther-bruecke.de\/?p=2045","title":{"rendered":"Schweigegang"},"content":{"rendered":"\n<p>&#8222;Von den 93 Juden, die zwischen 1933 und 1945 in H\u00fcrth lebten, sollten am Ende der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft nur zw\u00f6lf \u00fcberleben\u201c, berichtete H\u00fcrths Stadtarchivar Michael C\u00f6ln und verwies in seiner Ansprache auf ein Interview mit der Zeitzeugin Hedwig Heller aus dem Jahr 1989.<\/p>\n\n\n\n<p>Demnach sei die Metzgerei von Albert Heidt und die angrenzenden R\u00e4ume an der Luxemburger Stra\u00dfe, wo sie als Haushaltsgehilfin und ihr Mann Josef als Metzger gearbeitet hatten, w\u00e4hrend der Kristallnacht v\u00f6llig zerst\u00f6rt worden. Die Aktion wurde von einem Trupp Nazis, die aus Kalscheuren gekommen waren, ausgef\u00fchrt. Vor dem Haus sind sie \u00fcber Werner Heidt, der gerade aus der Schule kam, hergefallen und haben ihn auf der Stra\u00dfe zerschlagen und zertreten. Die Mutter ist hinausgelaufen und hat die Kerle von Werner losgerissen. Sie haben daraufhin alles im Gesch\u00e4ft zerst\u00f6rt, anschlie\u00dfend dem alten Heidt aufgelauert, als dieser vom Schlachthof aus K\u00f6ln zur\u00fcckkehrte, ihm das Nasenbein eingeschlagen und ihn abgef\u00fchrt. \u00c4hnliche Verw\u00fcstungen richteten sie in unmittelbarer N\u00e4he in der Metzgerei von Fritz Heidt, dem Bruder von Albert Heidt, in der Kirchstra\u00dfe, der jetzigen Severinusstra\u00dfe, an.<br>Von hier aus ging es mit dem Lastwagen nach Alst\u00e4dten zu Ludwig Berg. Der Viehh\u00e4ndler und Metzger war bis zur Aufl\u00f6sung der Synagoge 1937 Vorsteher und Sch\u00e4chter der H\u00fcrther Synagogengemeinde. Doch hier war bereits ein anderer Trupp t\u00e4tig geworden, s\u00e4mtliches Mobiliar und Hausrat sowie Lebensmittelvorr\u00e4te lagen bereits zerst\u00f6rt auf dem Hof der Bergs.<br>Ludwig Berg wurde von einem Polizisten die Alst\u00e4dter Hauptstra\u00dfe hinuntergef\u00fchrt und von der fanatisierten Menge immer wieder geschlagen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/huerther-bruecke.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Stadtarchiv-Schweigegang-22_2801-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2044\" srcset=\"https:\/\/huerther-bruecke.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Stadtarchiv-Schweigegang-22_2801-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/huerther-bruecke.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Stadtarchiv-Schweigegang-22_2801-300x200.jpg 300w, https:\/\/huerther-bruecke.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Stadtarchiv-Schweigegang-22_2801-768x512.jpg 768w, https:\/\/huerther-bruecke.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Stadtarchiv-Schweigegang-22_2801-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/huerther-bruecke.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Stadtarchiv-Schweigegang-22_2801-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/huerther-bruecke.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Stadtarchiv-Schweigegang-22_2801-272x182.jpg 272w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Foto: P\u00fctz<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Nach einer Gedenkminute zogen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung in einem Schweigegang in Richtung des Platzes \u201eAn der alten Synagoge\u201c. Auf dem Weg dorthin legten sie vor dem Haus Nummer Sieben in der Pastoratstra\u00dfe einen Zwischenstopp ein. Dort befinden sich Gedenksteine f\u00fcr Regina Kaufmann und ihren Sohn Isidor. Wie Bettina Tanneberger von der H\u00fcrther Br\u00fccke der Kulturen erz\u00e4hlte, betrieben beide nach dem Tod ihres Gatten und seines Vaters Isaak die dortige Metzgerei seit 1914 weiter. Isidor fl\u00fcchtete im September 1938 nach Br\u00fcssel und zwei Jahre sp\u00e4ter nach Frankreich. Am 10. August 1942 wurde er mit einem Transport aus S\u00fcdfrankreich in Auschwitz eingeliefert und dort einen Monat sp\u00e4ter ermordet. Mutter Regina wurde am 15. Juni 1942 nach Theresienstadt in Tschechien deportiert und starb dort im Dezember desselben Jahres. \u201eRassismus d\u00fcrfen wir nicht totschweigen\u201c, mahnte Bettina Tanneberger.<br>Am Platz \u201eAn der Alten Synagoge\u201c legten B\u00fcrgermeister Dirk Breuer und Ortsvorsteher Thomas Fund im Beisein von Stadtarchivleiter Michael C\u00f6ln einen Gedenkkranz nieder.<br>Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Schweigegangs z\u00fcndeten zum Gedenken Kerzen an. Musikschulleiter Michael Schumacher begleitete die Versammlung musikalisch mit Trompetenspiel.<br>Breuer hob die gro\u00dfe Bedeutung j\u00fcdischen Lebens f\u00fcr die Gesellschaft seit 1700 Jahren in Deutschland hervor. \u201eDie Vergangenheit, jene schrecklichen Tage, an die wir heute erinnern, diese Vergangenheit k\u00f6nnen wir nicht \u00e4ndern. Aber wir k\u00f6nnen daf\u00fcr sorgen, dass wir in unserer Gegenwart in H\u00fcrth, in einem Land, in einer Welt leben, in der alle Menschen, unabh\u00e4ngig von religi\u00f6ser und politischer \u00dcberzeugung, unabh\u00e4ngig von Aussehen und ethnischer Zugeh\u00f6rigkeit, in der alle Achtung, Freiheit und Sicherheit finden und in der die B\u00fcrgerrechte und die W\u00fcrde eines jeden Menschen gewahrt bleiben\u201c, mahnte Breuer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Von den 93 Juden, die zwischen 1933 und 1945 in H\u00fcrth lebten, sollten am Ende der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft nur zw\u00f6lf <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/huerther-bruecke.de\/?p=2045\">Continue Reading<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-2045","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized","no-post-thumbnail","no-read-more-tag","no-sticky","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/huerther-bruecke.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2045","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/huerther-bruecke.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/huerther-bruecke.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/huerther-bruecke.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/huerther-bruecke.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2045"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/huerther-bruecke.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2045\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2154,"href":"https:\/\/huerther-bruecke.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2045\/revisions\/2154"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/huerther-bruecke.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2045"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/huerther-bruecke.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2045"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/huerther-bruecke.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2045"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}