Was ist ein
Stolperstein und warum heißen die kleinen Messingplatten so, die in
Hürth an einigen Stellen in den Boden eingelassen sind? Diese Fragen
waren Gegenstand einer Deutschstunde für Geflüchtete, die der
Verein Hürther Brücke der Kulturen am Jahrestag der Befreiung von
Auschwitz gab.
In der
Mittagszeit putzte dann eine kleine Gruppe die Gedenktafel von Karl
Lauer in Efferen. Die Hürther Brücke hat die Patenschaft für
diesen Stolperstein übernommen. Der Verein wird ihn ab sofort
mindestens zu Gedenktagen wie dem 27. Januar und dem 9. November
(Erinnerung an die Pogromnacht) reinigen. Dem Vorstand ist es ein
Anliegen, sich neben der Flüchtlingshilfe auch gegen
Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus einzusetzen.
Insgesamt sind in Hürth 32 Stolpersteine vom Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt worden. Sie erinnern an Menschen, die während des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden. Sie liegen jeweils an der letzten bekannten Adresse. In Hürth haben die meisten Stolpersteine Paten. Wer sich für eine Patenschaft interessiert, kann sich an den Stadtarchivar Michael Cöln im Rathaus wenden.
Am
Sonntag, den 27. Oktober 2019, hat die Hürther Brücke der Kulturen
auf einer Abschlussveranstaltung alle Projektaktivitäten
präsentiert. Mehr als ein Dutzend Geflüchtete boten an
Essensständen zudem kulinarische Spezialitäten aus ihren
Heimatländern an.
Als
Namen hatte die Hürther Brücke der Kulturen „Heimat es … wo du
nit abseits stehs“ gewählt, eine Liedzeile von der Band Paveier,
deren Sänger Sven Welter auch die Veranstaltung besuchte.
Der
Bürgermeister der Stadt Hürth begrüßte die Besucher. Vorgestellt
auf großen Plakaten mit einem jeweiligen Bericht konnten die
zahlreichen Besucher den Ablauf der Aktivitäten erfahren. Erstmals
stand nun auch der Fotokalender „Heimat Hürth 2020“ zum Verkauf,
der aus der Fotoaktion des Projekts entstanden war.
Unterstützt
wurde der Tag durch den Verein „Wir sind Hürther – weltoffen und
tolerant“, der mit einem Stand selbstgebackener Waffeln das Angebot
vervollständigte.
Die
Besucher nahmen alle Angebote lebhaft wahr. Viele Interessierte
stellten Nachfragen zu den einzelnen Projekten: beim Schulprojekt
standen Lehrer und Lehrerinnen des Albert-Schweitzer-Gymnasiums für
Fragen zur Verfügung und Romain Burgy erläuterte die Erfahrungen
bei der Malaktion.
Auch
der aus Hürth stammende Landtagsabgeordnete Frank Rock ließ es sich
nicht nehmen, der Veranstaltung einen Besuch abzustatten. Weitere
Vertreter der Parteien der Stadt waren zugegen und vor allem: viele
Hürther Bürger, die gerne Kontakt zu den Neubürgern unserer Stadt
aufnahmen.
Das
gelungene Fest erfuhr im Anschluss sehr positive Berichterstattung in
den Medien und lobende Kommentare in den sozialen Medien seitens
einiger Besucher.
Das Projekt war aus unserer Sicht ein voller Erfolg, auch im Sinne unseres Ziels, Hemmschwellen zwischen Geflüchteten und Bürgern abzubauen und Integration zu fördern. Wir stehen im Kontakt mit anderen Flüchtlingsorganisationen im Rhein-Erft-Kreis und stellen diesen gern, zum Beispiel bei einem Netzwerktreffen, als Anregung unsere Erfahrungen und die Umsetzung vor.
Schüler
und Geflüchtete betrachten den Begriff „Heimat“
Eine
Gruppe von Schülerinnen und Schülern des Hürther
Albert-Schweitzer-Gymnasium stellte sich gemeinsam mit ihrem
Geschichtslehrer Konstantin Preppner die Frage, was Heimat für sie
ausmacht. Geflüchtete setzten sich in ihren Deutschkursen ebenso
damit auseinander und es wurde gemeinsam eine Projektidee entwickelt,
die sich – nachhaltig – mit den Themen „gegen Rassismus und
Gewalt, aber für Toleranz und Integration“ beschäftigen will.
Zunächst wurden Zitate, Fragen, Wünsche aus den ersten Gesprächen über Heimat festgehalten und auf der Abschlussveranstaltung präsentiert. Die Zusammenarbeit soll aber über den Jahreswechsel hinaus fortgesetzt werden. Beide Gruppen wollen sich dann auch treffen und gemeinsam über Heimat diskutieren. Geplant ist eine Ausstellung der Ergebnisse.
Die
neue Heimat Hürth: Fotografieren für einen Fotokalender
12
Geflüchtete haben zum Teil auf kleinen Ausflügen ihre neue
Heimatstadt Hürth (besser) kennengelernt und ihre Lieblingsorte aus
den unterschiedlichsten Perspektiven fotografiert. Es entstanden 12
berührende Fotos, die in einem Wandkalender für das Jahr 2020 im
Format DIN A3 zusammengestellt wurden. Jedes Foto darin ist vom
Fotografierenden kommentiert: Die Geflüchteten drücken dabei ihre
Emotionen, Erinnerungen, prägende Eindrücke, Hoffnungen und Wünsche
aus.
Erfahrungen über Begegnungen, Freundschaften, Erinnerungen an die alte Heimat, Zukunftsträume, Gemeinschaftserleben, vertraute Gerüche, neue Erfahrungen etc. prägen den Inhalt dieses außergewöhnlichen Kalenders.
Eine
kleine
Gruppe von Teilnehmern aus unseren Deutschkursen befragte zusammen
mit Radio Erft Bürger im Hürth Park: „Ich bin noch neu in Hürth
und NRW. Was muss ich gesehen haben? Wo kann ich was erleben?“
Die
Gruppe traf sich mit Reporter Markus Cremer im Hürth Park. Alle
waren ein wenig aufgeregt, was sich aufgrund des lockeren und
einfühlsamen Auftretens von Markus Cremer und auch der freundlichen
Grundhaltung der befragten Bürger schnell legte. So entstand in den
Gesprächen ein guter Austausch zwischen den Befragten und den
Teilnehmern:
Abdulhakeem
(28
Jahre, aus Syrien, Studium arabischer
Literaturwissenschaften, seit 2015 in Deutschland) und
Arjumand
(29 Jahre, aus Tadschikistan, im Heimatland Journalist, seit 2016 in
Deutschland) –interessieren sich beide sehr für Kunst und Kultur.
Sie erhielten entsprechende Tipps wie Museumsbesuche und Hinweise auf
die vielfältige Theaterszene.
Surreya
(40
Jahre, aus Afghanistan, BWL-Studium und Personalmanagerin im
Heimatland, seit 2017 mit ihren Kindern in Deutschland).
Sie
bekam für ihre Kinder Tipps wie das Tippolino in Kerpen, die Kölner
Lichter und den Kölner Zoo. (Die Familie hat das Tippolino gleich am
darauffolgenden Wochenende besucht.)
Moussa
(20
Jahre, aus Guinea, macht gerade am Berufskolleg des Erzbistums Köln
seinen Hauptschulabschluss, seit 2017 in Deutschland)zeigte
sich in jedem Gespräch sofort fußballbegeistert. Er würde gern in
der 2. Kreisliga spielen. So bekam er viele Hinweise auf die Hürther
Fußballvereine, aber auch zum Beispiel auf Fortuna Köln.
In
jedem Gespräch wurden natürlich das Phantasialand, der Kölner Dom,
das Bowlingcenter Hürth, die Seen im Rhein-Erft-Kreis und vor allem
das Schwimmbad „de Bütt“ in Hürth empfohlen. Insgesamt hat die
Aktion allen Teilnehmern viel Spaß gemacht und die Erfahrung im
Austausch mit Hürther Bürgern empfanden sie als ausgesprochen
positiv.
Die
Interviews wurden am folgenden Tag gleich mehrfach auf Radio Erft
gesendet und die Moderatoren riefen die Zuhörer auf, noch weitere
Tipps zu melden.
Wir bedanken uns noch einmal an dieser Stelle bei Radio Erft – besonders bei Markus Cremer – für die Unterstützung bei dieser schönen Aktion. Bedanken möchten wir uns auch beim Hürth Park, der uns die Möglichkeit gegeben hat, die Befragung im Einkaufszentrum durchzuführen.
Geflüchtete
malen mit dem Kölner Künstler Romain Burgy
Am
5. Oktober 2019 traf sich eine Gruppe von geflüchteten Kindern und
Erwachsenen im Saal des Familienzentrums „Mittendrin“ zu einer
gemeinsamen Malaktion unter der Anleitung des Künstlers Romain
Burgy. Sie erstellten anschließend eine Collage aus den gemalten
„kleinen Kunstwerken“.
„Kunst ist grundsätzlich wichtig als eine Ausdrucksmöglichkeit für Menschen und auch besonders für Kinder, an der sie mit der richtigen Förderung wachsen können. Gerade für Menschen, die sich verbal nicht so gut ausdrücken können, kann ein Bild viel direkter sein und enthält nicht selten versteckte Botschaften. Über das Malen können Kenntnisse über die eigene Kultur vermittelt und auch selbst erfahren werden. Es werden Lebenszusammenhänge und Lebensformen deutlich, manchmal auch Vorurteile und Ängste. Spannungen können beim Malen erfahren und ausgehalten werden.
Im Kurs zum Thema Heimat konnte ich die Teilnehmer bei ihrer kreativen Malarbeit beobachten. Ich sah, wie versunken sie waren, und spürte, wie in ihrem Kopf ganz viel passierte, wie ausgeglichen und lösungsorientiert sie während ihres Schaffens waren, egal ob sie alleine oder im Team gemalt haben.
Über diesen Weg werden Neugier, Offenheit, Verständnis, Toleranz und Kreativität entwickelt. Ganz einfach: Kunst bildet.“ Romain Burgy
Geflüchtete
besuchen den Landtag NRW in Düsseldorf und treffen den
Landtagsabgeordneten Frank Rock
Geflüchtete
lernen bei der Hürther Brücke nicht nur Deutsch, sondern auch unser
Politik- und Gesellschaftssystem kennen.
Deshalb
konnte am 1. Oktober 2019 eine Gruppe mit 17 Geflüchteten aus 11
verschiedenen Ländern Politik in Nordrhein-Westfalen hautnah
erleben: Bei einem Ausflug zum Landtag NRW in Düsseldorf bestaunten
sie bei einer Führung die symbolträchtige Architektur des Gebäudes
und trafen in einer Fragestunde den Landtagsabgeordneten Frank Rock
aus Hürth. Er begrüßte die Teilnehmer mit sichtlichem Interesse
persönlich und sie konnten in ungezwungener Runde Fragen stellen,
was sie ungeachtet einiger sprachlicher Schwierigkeiten auch
engagiert interessiert taten.
Sie
brachten die sie unmittelbar betreffenden Missstände (fehlende
finanzierbare Wohnungen, unbefriedigende Abläufe bei Arbeits- und
Ausbildungsgenehmigungen usw.) ebenso zur Sprache wie allgemein
politische Themen, zum Beispiel Waffenlieferungen in Krisenländer.
Die meisten Fragen gab es aber zu regionalpolitischen Themen, der
Arbeit im Landtag und zu Herrn Rocks persönlicher Motivation und
seiner Arbeit.
Nach dieser lebhaften Fragestunde resümierte Frank Rock angetan: „Das Gespräch mit Ihnen war spannendender als alle anderen, die ich heute geführt habe.“
23.1.2020 Mit großer Dankbarkeit nahmen wir die Spende vom Lions Club Hürth entgegen. Im Rahmen eines herrlichen Salonkonzerts mit dem Duo „Schön mit Abgrund“ überreichte Heinz Fischer uns den Scheck über eine finanzielle Unterstützung unserer Arbeit. Wir haben uns sehr gefreut und es bedeutet uns viel, dass die Lions unsere Arbeit so wertschätzen.
Ohne Kooperationen mit namhaften Trägern könnten wir unser
Engagement nicht bewerkstelligen. Deshalb danken wir ganz herzlich
den folgenden Institutionen: